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Höhepunkte 2016

Prof. Wolfgang Holzmair

Prof. Wolfgang Holzmaitr
© Ernest W Gruber



Abschlusskonzert im
Anhaltischen Theater Dessau


Meister des Modernen
Unvollendetes zum Festspielschluss

Kurt Weill: Scherzo und Choral-Fantasie für Orchester, op. 5
Ernst Krenek: Concerto grosso No. 2, op. 25
Franz Schubert: Sinfonie h-Moll, D 759
"Die Unvollendete"
Alban Berg: Passacaglia-Fragment

Dirigentin: Giedrė Šlekytė
Herren der Berliner Singakademie
Orchester der Komischen Oper Berlin

In den letzten Jahren hat sich die Komische Oper Berlin ihren alten Platz unter den führenden Opernhäusern Deutschlands zurückerobert und wurde für ihre hervorragende Qualität und konzeptionelle Arbeit 2013 mit dem Titel "Opernhaus des Jahres" belohnt: Verdrängtes und Vergessenes steht auf dem Spielplan, ein Schwerpunkt liegt auf selten oder nie gehörten Werken insbesondere der Komponisten, die es wieder oder ganz neu zu entdecken gilt.

So wurde auch das Orchester der Komischen Oper ein idealer Partner für das 24. Kurt Weill Fest und stand sowohl für herausragende künstlerische Interpretationen wie auch für die Programmatik des Festivals: Ernst Krenek und Kurt Weill mussten beide fliehen, weil sie selbst und ihre Musik nicht zu der Doktrin der nationalsozialistischen Diktatur passten. Weil sie für eine Neugier und eine Musiksprache standen, die der auf Einschränkung, Einschüchterung und Eliminierung beruhenden Politik entgegenstanden. Und – unverständlich aus unterschiedlichen Gründen – auch nach dem Ende des Dritten Reiches gehörten Krenek und Weill weder in West- noch in Ostdeutschland zu den mit der entsprechenden Wertschätzung versehenen Komponisten.

Es bedurfte also dringend einer Wiederentdeckung und Neubewertung. Unter der Leitung der jungen und talentierten Dirigentin Giedrė Šlekytė und der Mitwirkung der Singakademie Berlin gestaltete das Orchester ein in mehrfacher Hinsicht besonderes Schlusskonzert: Zum Auftakt erklangen mit dem unvollendeten Divertimento für Orchester mit Männerchor eine kaum aufgeführte, frühe Rarität von Kurt Weill, die dieser noch ganz im Geist seines Lehrers Ferruccio Busoni schrieb. Ernst Krenek lenkte die Aufmerksamkeit bei seinem Concerto grosso dann zurück in die Zeit des Barocks, deren Form des Zusammenspiels von großem und kleinem Ensemble er auf faszinierende Weise ins 20. Jahrhundert transformierte. Und dass zum Festspielschluss mit der Unvollendeten von Franz Schubert eines der ewigen Meisterwerke klassischer Musik erklang, verankert die Hauptpersonen des Festivals unverrückbar im Kreis der großen Meister der Musikgeschichte. So untrennbar der Begriff der Klassischen Moderne mit Dessau und Sachsen-Anhalt verbunden ist, so unüberhörbar ging die Botschaft des 24. Kurt Weill Fest in die Welt, dass Kurt Weill und Ernst Krenek zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zu rechnen sind.








© Roßdeutscher & Bartel GbR, Leipzig, 2017