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Höhepunkte 2016

Uli Kempendorff, Marc Muellbauer und Julia Hülsmann

Christian Hommel, Johannes Schwartz und Ib Hausmann (v.l.n.r.)
© Sebastian Gündel



Konzert im Bauhaus Dessau

Blind Date mit den Besten
Kammerkonzert mit Solisten des Ensemble Modern

Werke von Kurt Weill, Ernst Krenek und George Gershwin
Violoncello: Michael M. Kasper
Klavier: Ueli Wiget
Klarinette: Ib Hausmann
Oboe: Christian Hommel
Fagott: Johannes Schwarz

Offen und neugierig – so sind die Mitglieder des Ensemble Modern. Das erleichtert auch den Brückenschlag von heute in die 1920er Jahre und zu solchen Komponisten, die damals offen und neugierig waren. Den Anfang macht Kurt Weill, der 1920 – kaum hatte er die Schulbank verlassen – seine ambitionierte Sonate für Cello und Klavier schrieb, ein dreisätziges Werk, das erst 1975 bei den Berliner Festwochen seine Uraufführung erleben sollte. Die weitlaufige Sonate, eine der wenigen Kammermusiken des bühnenaffinen Komponisten, kommt zwar in traditionellem Gewand daher, doch blitzt manchmal schon der spätere Personalstil Weills hervor: am deutlichsten in den motorischen Passagen des Finales, dessen Spielanweisung "Grotesk vorzutragen" eine gewisse Nähe zur später geübten Technik der Verfremdung offenbart.
George Gershwins 1924 entstandene, ursprünglich für Orchester geschriebene Rhapsody in Blue verkörpert wie kaum eine andere Komposition den sogenannten Third Stream, die Verbindung von Elementen europäischer Kunstmusik mit Elementen des Jazz, etwa der Blues-Tonleiter oder Begleitmustern des Ragtime (Basston auf den schweren Zahlzeiten, nachschlagende Akkorde) – Merkmale, die auch seine 1926 komponierten 3 Preludes pragen.
Eine weitere Tendenz der 1920er Jahre, die der dadaistischen Brechung, zeigt Erwin Schulhoffs 1922 geschlüpfte Bassnachtigall fur Kontrafagott auf: ein Mikrokosmos, der abermals aus drei Miniaturen besteht: aus einem "Melancolia" überschriebenen Satz, einem "Perpetuum mobile" und einer Schlussfuge, die der Komponist mit dem schon von Weill benutzten Attribut "grotesco" versehen hat.
Wieder eine andere Stilistik vertritt Ernst Kreneks Kleine Suite für Klarinette und Klavier op. 28, die aus dem Jahr 1924 stammt. Das fünfsatzige Werk kokettiert reichlich kess mit Bewegungsmustern des Barock, um schlieslich in den "Golden Twenties" zu landen. Eine ähnliche Tendenz, nämlich die kleinen Formate des 18. mit Charakteristiken des 20. Jahrhunderts zu vermählen, offenbart abschliesend auch Schulhoffs Divertissement. So wartet das Werk mit einem kunstvoll-komplexen Charleston auf, dem ein "Tema con variazioni e fugato" folgt: ein Paradebeispiel für die junge Linearitat, wie die Komponisten die seinerzeit von ihnen neu interpretierte Kontrapunktik nannten.

 


© Roßdeutscher & Bartel GbR, Leipzig, 2017